Jugendgewalt: Begleitung und Förderung von Jugendlichen statt populistische Instrumentalisierung
Für eine differenziertere Diskussion: Pro Juventute stellt Erfahrungen aus Jugendarbeit zur Verfügung
Zürich, 6.4.2010. – Aufgrund aktueller Vorkommnisse wie der Tötung einer 23jährigen durch ihren 19jährigen Bruder in Giessen oder der Ermordung eines Jugendlichen vor einem Zürcher Club wird politischer Handlungsbedarf beim Thema Jugendgewalt verortet. Gemäss Medienberichten von heute sollen Verbote von Computerspielen die Jugendgewalt bekämpfen – Fachleute sprechen sich jedoch gegen einen direkten Zusammenhang zwischen Computerspielen und Gewalt aus. Pro Juventute fordert eine differenziertere Diskussion beim Thema Jugendgewalt: Jugendliche und ihr Umfeld brauchen Prävention und begleitende Massnahmen statt sinnlose Medienverbote.
Jugendgewalt ist derzeit auf der medialen und politischen Agenda sehr präsent. Dies rührt zum einen aus verschiedenen Vorkommnissen von Jugendgewalt in den letzten Wochen, zum anderen aus politischen Bestrebungen in Bezug auf gewaltdarstellende Computerspiele (sogenannte „Killergames“). Pro Juventute wehrt sich gegen die populistische Vermengung dieser beiden Themen und fordert eine differenziertere Diskussion. Als grösste Kinder- und Jugendorganisation der Schweiz stellt die Stiftung in Bezug auf die komplexen Themen Jugendgewalt und Medien ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem direkten, täglichen Umgang mit Jugendlichen zur Verfügung.
Die Stiftung erachtet die Suggerierung, aggressives Verhalten von Jugendlichen hätte einen direkten Zusammenhang mit Computerspielen, als populistisch und lösungshemmend. Aktuelle Medienberichte verweisen auf die Vorbehalte gegen die geforderten Einschränkungen beim Verkauf von Computerspielen, um vermeintlich Jugendgewalt zu begegnen. Wenn sich Gewaltprävention bei Jugendlichen auf Computerspiele beschränke, würden sie nicht viel bewirken, zitiert die NZZ in ihrer heutigen Ausgabe. Pro Juventute unterstreicht diese Aussage: Die meisten Computerspiele werden online gespielt oder heruntergeladen. In der virtuellen Welt gelten jedoch weder Verbote noch Altersgrenzen. Ein Verbot für sogenannte «Killerspiele», wie Politiker fordern, ist daher sinnlos. Zudem sind gemäss der aktuellen Studie der Zürcher Fachstelle für Kinder- und Jugendforensik nicht Computerspielsucht oder sogenannte «Killergames» Ursachen von Jugendgewalt, sondern vielmehr schwierige Familienverhältnisse, fehlende Schulausbildung, psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeit. Statt gefährdeten Jugendlichen mit Verboten zu begegnen, müssen sie und ihre Eltern und Lehrpersonen daher vielmehr mit Prävention und begleitenden Massnahmen unterstützt werden.
Gegen derzeitigen Law-and-Order-Reflex gegenüber Jugendlichen
Pro Juventute setzt sich gezielt mit ihren verschiedenen Dienstleistungen dafür ein, Kinder und Jugendliche in ihrer Selbstverantwortung zu stärken und ihre Kompetenzen zu fördern und wehrt sich gegen den derzeit verbreiteten Ruf nach Generalverboten und den populären Law-and-Order-Reflex im Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Beispiele für entsprechende Postulate sind «Regeln ja, Verbote nein» und «Konkrete Angebote für die Medienkompetenzförderung statt nutzloser Kriminalisierung von Konsumenten». Dazu gelten die aktuellen Stellungnahmen.
Für weitere Informationen:
Pro Juventute, Stephan Oetiker, Direktor, Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich Tel. 044 256 77 77 / www.projuventute.ch
Pro Juventute, Marianne Affolter, Leiterin Kommunikation a.i., Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich Tel. 044 256 77 74, Mobile 079 659 67 33, E-Mail: marianne.affolter(at)projuventute.ch
Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche in der Schweiz
Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Dienstleistungen wie die Pro Juventute Beratung 147 oder die Pro Juventute Elternbriefe an. Davon profitieren jährlich nicht weniger als 300 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz.

