10 Millionen sind ein Klacks und Jugendförderung ist kein Je-ka-mi: Mehr Geld für eine Entlastung von Eltern und Schulen

Pro Juventute fordert eine echte Totalrevision des veralteten Jugendförderungsgesetzes und substanzielle Erhöhung des vorgeschlagenen Kredits

Zürich, 20. Januar 2010. – Den einen zu teuer, den anderen zu umfassend und die Dritten fordern „mehr Schutz“: Die Reaktionen zur Vernehmlassung des „Bundesgesetzes über die Förderung der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ zeigen, dass offenbar breite Kreise nicht bereit sind, die ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Schweiz zu unterstützen. Pro Juventute bedauert die verbreitet negative Haltung gegenüber der längst fälligen Gesetzesrevision und fordert alle an der Förderung unserer Kinder und Jugendlichen interessierten Akteure auf, eine Totalrevision des veralteten Jugendförderungsgesetzes konstruktiv zu unterstützen sowie einen deutlich höheren Kredit als zehn Millionen Franken pro Jahr.

Ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entlastet und stärkt Eltern und Schulen. Gerade Kantone und Gemeinden profitieren davon. Pro Juventute ist überzeugt davon, dass es fatal wäre, in diesem Bereich zu sparen und fordert daher eine substanzielle Erhöhung des jährlichen Kredites für die ausserschulische Kinderund Jugendförderung. Die in der Vorlage vorgeschlagenen 10,3 statt bisher 6,6 Millionen Franken stehen in keinem Verhältnis zu den Leistungen, die im Bereich der Jugendarbeit erbracht werden. Zum Vergleich der Grössenordnungen: Alleine der Kredit für „Pflanzen und Tierzucht“ des Bundes im Bundesbudget 2010 des Bundesamtes für Landwirtschaft ist viermal höher (42,2 Millionen Franken).

Sind uns die Schweizer Kinder und Jugendlichen weniger wert als die Tierzucht?

Diese Frage muss man sich angesichts gewisser Argumente stellen. Dabei geht es um den Stellenwert der Jugendarbeit, nicht um ungleiche Massstäbe. Im gesellschaftlichen Alltag hat sich die ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen längst etabliert. Zehntausende von Eltern und Lehrpersonen sind froh über das Engagement und die Leistungen von Tausenden von Profis und Freiwilligen, die täglich und auch in Ferienzeiten Bildungs- und Entwicklungsarbeit mit ihren Kindern und Schüler/innen leisten. Programme wie beispielsweise das nationale Projekt „Pro Juventute Ferienpass“ mit jährlich 65'000 aktiven Kindern und Jugendlichen gehören ebenso dazu wie die Pfadfinderlager oder Bildungsangebote in Jugendtreffs oder Gemeinschaftszentern in der ganzen Schweiz. Von allen diesen Angeboten profitiert die Gesellschaft stark und es ist aus Sicht von Pro Juventute höchste Zeit, dafür eine Rechtsgrundlage zu schaffen, welche die veralteten Normen des Bundesgesetzes aus dem Jahr 1989 ersetzt.

Kinder- und Jugendförderung ist kein Je-ka-mi

„Zu viele Köche verderben den Brei“ – die Erkenntnis dieses Sprichwortes droht sich auch hier zu bestätigen. Wie im Schulbereich (Stichwort „Überlastung der Lehrpersonen“) so scheinen nun alle möglichen Akteure ihre spezifischen Jugend-/ Familien- und Gesellschaftspolitischen Ansprüche, Bedürfnisse und Ideale der offenen und verbandlich-organisierten Jugendarbeit aufbürden zu wollen. Kinder- und Jugendförderung ist jedoch kein Je-ka-mi („Jeder kann mitmachen“) sondern hat sich – ebenso wie die schulische Bildung – an professionellen Standards zu orientieren. Professionelle Standards brauchen jedoch auch einen entsprechenden gesetzlichen Rahmen. Pro Juventute fordert daher alle an einer echten und nachhaltigen Förderung unserer Kinder und Jugendlichen interessierten Akteure auf, sich zusammenzuraufen und eine Totalrevision des veralteten Jugendförderungsgesetzes konstruktiv zu unterstützen und den entsprechenden Kredit substanziell zu erhöhen.

Für weitere Informationen:
Pro Juventute, Matthias Vatter, Leiter Public Affairs, Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich Tel. 079 352 81 44, E-Mail: matthias.vatter(at)projuventute.ch

Pro Juventute, Marianne Affolter, Leiterin Kommunikation a.i., Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich Tel. 0 44 256 77 74, E-Mail: marianne.affolter(at)projuventute.ch

 

Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Dienstleistungen wie die Pro Juventute Beratung 147 oder die Pro Juventute Elternbriefe an. Davon profitieren jährlich nicht weniger als 300 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz.