Prävention von Jugendverschuldung: Pro Juventute führt das schweizweit erste Finanzkompetenz-Lehrangebot für Kindergarten und Unterstufe ein

Basel/Zürich, 14.4.2010 – Jeder fünfte Jugendliche hat heute Schulden. «Geld und Finanzen» ist in der Schweiz indes nicht im Lehrplan verankert. Pro Juventute setzt sich daher zentral für die Vermittlung von Finanzkompetenz für Kinder und Jugendliche ein. Die Stiftung präsentierte am heutigen Medienanlass ihr neustes Produkt für Kinder und Jugendliche in der Schweiz: Das Lehrangebot «Potz Tuusig» zur Förderung der Finanzkompetenz an Kindergarten und Schule. Dieses ist ab heute für Kindergärten und Schulen kostenlos erhältlich. Gleichzeitig fordert die Stiftung von Politik und Kantonen die Integration des Themas «Finanzkompetenz» in die Lehrpläne.

«Prävention zur Vermeidung der Jugendverschuldung ist eines der wichtigsten Themen von heute für unsere Kinder und Jugendlichen in der Schweiz», sagt Stephan Oetiker, Direktor von Pro Juventute. Deshalb setzt die Kinder- und Jugendorganisation einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Vermittlung von Finanzkompetenz. Heute präsentierte Pro Juventute ihr neustes Produkt für Kinder und Jugendliche in der Schweiz. Das schweizweit erste Lehrangebot für Kindergarten und Unterstufe zur frühen Förderung von Finanzkompetenz kann ab sofort kostenlos (solange Vorrat) von Kindergärten und Schulen in der Deutschschweiz bezogen werden. Im Herbst folgt die Lancierung in der Westschweiz und im Tessin.

«Mit unserem Angebot für die Kleinsten unterstützen wir Lehrpersonen bei der Vermittlung und Auseinandersetzung im Umgang mit Geld», sagt Oetiker. Denn: In der Schweiz hat laut einer aktuellen Studie des Bundesamtes für Justiz jeder fünfte Jugendliche Schulden, bei jungen Erwachsenen ist es bereits jeder dritte. 80 Prozent aller Verschuldeten haben ihre Schulden vor dem 25. Lebensjahr gemacht. Kindern und Jugendlichen den Umgang mit Geld zu vermitteln ist daher für die Prävention zentral. Kinder kommen immer früher mit Geld in Berührung – als Zielgruppe der Werbung oder als Empfänger von Taschengeld. Bei den Jugendlichen kommen neue Konsummöglichkeiten wie Handys oder Kredite dazu, wie aktuelle Medienberichte zum Fall einer 22-Jährigen mit Schulden von über einer Million Schweizer Franken zeigen. Für die Förderung der Finanzkompetenz und die Prävention von Verschuldung in späterem Alter braucht es daher gemäss Pro Juventute frühe, alters- und stufengerechte, sich wiederholende Vermittlung.

Pro Juventute fordert in Positionspapier «Finanzkompetenz in die Lehrpläne»

In ihrem gleichzeitig veröffentlichten Positionspapier fordert Pro Juventute heute auch Politik und Kantone zum Handeln auf: Die Kantone sollen Finanzkompetenz in die Lehrpläne integrieren. Denn auch im Lehrplan 21, dessen Grundlagen die deutschsprachigen Kantone erst kürzlich Ende März verabschiedet haben, ist «Finanzkompetenz» nicht als Fachbereich im Lehrplan verankert – im Gegensatz zu Nachbarländern mit tieferen Raten der Jugendverschuldung. Der Forderungskatalog der Stiftung umfasst dabei konkret die Integration des Themas Finanzkompetenz in die Lehrpläne, die Finanzierung komplementärer Lehrangebote zum Thema Finanzkompetenz, die Unterstützung von Schulen, die Finanzkompetenz-Angebote in ihren Unterricht aufnehmen sowie die Unterstützung von Elternbildungsangeboten und Weiterbildung von Lehrpersonen.

Schweizweit erstes Unterrichtsmittel zum Thema «Geld und Finanzen» für Kindergarten und Unterstufe

«Das Angebot von Pro Juventute ist in der Schweiz das erste Unterrichtsmittel zum Umgang mit Geld und Finanzen an Kindergärten und Unterstufe», sagt Oetiker. Die Stiftung Pro Juventute hat das interaktive Fragebuch «Potz Tuusig» für Eltern sowie das dazu passende Kamishibai (Erzähltheater) für Schulen zusammen mit der Budget- und Schuldenberatung Plusminus Basel entwickelt. Am heutigen Medienanlass informierten die Organisationen über den Inhalt des Unterrichtsangebots. Miss Schweiz 2006 und Model Christa Rigozzi führte anschliessend rund 30 Kinder durch eine Unterrichtsstunde und erzählte das interaktive Bildtheater «Potz Tuusig» mit Fragen zu Werten, Geld und Konsum. «Meine Eltern haben mir beigebracht, dass ich nicht immer gleich alles haben oder kaufen muss», sagt Christa Rigozzi. «Als ich Miss Schweiz wurde und plötzlich mehr Geld verdiente, merkte ich, wie wichtig es war, dass ich einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld gelernt hatte. Deshalb möchte ich heute Kinder dabei unterstützen, einen bewussten Umgang mit Geld zu entwickeln.» Fotos des Anlasses sind unter folgendem Link zu finden: www.pro-juventute.ch/index.php?id=5889. Schulen und Kindergärten können das Lehrangebot (Buch, Erzähltheater mit Moderation) kostenlos direkt bei den Pro Juventute-Vereinen in ihrem Kanton beziehen (solange Vorrat). Weitere Informationen unter www.projuventute.ch, ein Clip von Potz Tuusig unter www.projuventute.ch/potz-tuusig.

Für weitere Informationen:

Pro Juventute, Stephan Oetiker, Direktor, Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich
Tel. 044 256 77 77, E-Mail: stephan.oetiker(at)projuventute.ch

Pro Juventute, Marianne Affolter, Leiterin Kommunikation, Thurgauerstrasse 39,
8050 Zürich Tel. 044 256 77 74, Mobile 079 659 6733, E-Mail: marianne.affolter(at)projuventute.ch

Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Dienstleistungen wie die Pro Juventute Beratung 147 oder die Pro Juventute Elternbriefe an. Davon profitieren jährlich nicht weniger als 300 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz.