Fachleute fordern Freiräume für Kinder und Jugendliche statt Ausgrenzung durch Verbote
Pro Juventute unterstützt Voten von Kinder- und Entwicklungspsychologen und fordert konstruktive Massnahmen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen
Zürich, 15.3.2010. – Gewaltbereitschaft, Alkoholmissbrauch, Kriminalität – Jugendliche werden heute mit vielen negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht. Gerade in Bezug auf den Umgang mit neuen Medien wie etwa Games oder Multimedia-Geräte wird dabei oft die Forderung nach Generalverboten laut. Fachleute beziehen jetzt Stellung gegen diese zurzeit verbreitete Verbots-Haltung gegenüber Jugendlichen und fordern dringend Freiräume und Förderung für Heranwachsende statt Ausgrenzung und Verbote. Die Kinder- und Jugendorganisation Pro Juventute unterstützt diese Forderungen der Fachleute: Kinder müssen in ihren Kompetenzen gefördert und in ihrer Mitbestimmung unterstützt werden.
Kindgerechte Freiräume und Förderung sind für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen entscheidend. Die derzeit populäre Forderung nach Verboten wird diesen Anforderungen nicht gerecht. In heutigen Medienberichten sprechen sich jetzt Fachleute gegen die Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen aus. Kinderarzt Remo Largo fordert heute in der Neuen Zürcher Zeitung mehr Freiräume für Jugendliche, damit diese lernen, Verantwortung zu übernehmen und initiativ zu sein. Der Entwicklungspsychologe Allan Guggenbühl plädiert heute dafür, dass Kinder lernen dürfen, sich mit der wirklichen Welt auseinanderzusetzen, um mit den Tücken des Lebens umgehen zu können. Abschottung von Kindern und Jugendlichen schade dagegen ihrer Entwicklung, der Initiativkraft und ihrer Resilienz. Pro Juventute begrüsst, dass Fachleute Stellung beziehen gegen die derzeit verbreitete Haltung, Kindern und Jugendlichen in ihrer Entwicklung vermehrt mit Verboten zu begegnen. Die Stiftung setzt sich gezielt mit ihren verschiedenen Dienstleistungen dafür ein, Kinder und Jugendliche in ihrer Selbstverantwortung zu stärken und ihre Kompetenzen zu fördern und wehrt sich gegen den derzeit verbreiteten Ruf nach Generalverboten im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.
Generalverbote suspendieren Eigenverantwortung von Jugendlichen
Der Bedarf nach Auseinandersetzung und Stärkung von Kompetenzen ist gerade auch in Bezug auf den vieldiskutierten Umgang mit neuen Medien zentral, insbesondere mit den sogenannten „Killergames“. So spricht sich Pro Juventute gegen ein Generalverbot von Games aus und fordert sinnvolle Regeln und Förderung der Medienkompetenz. Mit Generalverboten suspendiert die Gesellschaft laut heutigem Votum von Guggenbühl die Eigenverantwortung der Heranwachsenden. Diese sogenannten Killerspiele seien zudem für die überwiegende Zahl der Jugendlichen eine „neue Form des Schachspiels“, die die moralischen Sensibilitäten auch stärken könnten. Kürzlich veröffentlichte Studien, etwa von der Zürcher Fachstelle von Kinder- und Jugendforensik, haben zudem erneut darauf hingewiesen, dass Kriminalität bei Jugendlichen entgegen anderer Meinungen vor allem auf frühe schwierige Familienverhältnisse, psychische Probleme oder fehlende berufliche Perspektiven zurückzuführen ist.
Statt gefährdeten Jugendlichen mit Verboten zu begegnen, müssen sie und ihre Eltern daher vielmehr mit begleitenden Massnahmen unterstützt werden. Pro Juventute engagiert sich dabei mit der Beratung + Hilfe 147, bei der Kinder und Jugendliche über Telefon, SMS oder Chat konkrete Unterstützung bei Problemen erhalten, oder den Pro Juventute Elternbriefen, die für Eltern wichtige Fragen im Zusammenleben mit ihrem Kind thematisieren. In Bezug auf die Medienkompetenz engagiert sich die Stiftung seit 2009 mit dem Projekt Pro Juventute-"Handyprofis". Hier lernen 10- bis 18jährige in Workshops an Schulen den konstruktiven Umgang mit ihrem Mobiltelefon. Weitere aktuelle Medienberichte fordern ebenfalls, auch die Potenziale neuer Medien, insbesondere von Computerspielen, zu nutzen.
Für weitere Informationen:
Pro Juventute, Marianne Affolter, Leiterin Kommunikation a.i., Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich
Tel. 044 256 77 74, E-Mail: marianne.affolter(at)projuventute.ch
Pro Juventute, Stephan Oetiker, Direktor, Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich
Tel. 044 256 77 77 / www.projuventute.ch
Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche in der Schweiz
Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Dienstleistungen wie die Pro Juventute Beratung 147 oder die Pro Juventute Elternbriefe an. Davon profitieren jährlich nicht weniger als 300 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz.

