Pro Juventute-Flashmob auf dem Bundesplatz: Über 150 Teilnehmer fordern an Kundgebung vom Parlament sinnvolle Regelungen statt Generalverbote für Computergames
Bern, 18.3.2010 - Unter dem Slogan «Informieren statt Verbieten - Nein zu sinnlosen Medienverboten» haben sich heute Mittag über 150 Interessenvertreter und Jugendliche zu einem Flashmob von Pro Juventute auf dem Bundesplatz getroffen. Anlässlich der heutigen Diskussion im Ständerat über ein Verbot von sogenannten Killergames forderten Pro Juventute und die Teilnehmer mit einem fünfminütigen "Robot Dance» die Parlamentarier dazu auf, die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken und einheitliche Regelungen für Computergames zu erlassen statt sinnlose Generalverbote. Der spontane Menschenauflauf war über die Website www.informieren-statt-verbieten.ning.com sowie über Facebook und SMS kommuniziert worden.
Anlass der Kundgebung war die heutige Sitzung des Ständerats zu zwei Vorlagen zum Thema Killergames. «Wir sind heute in Bern, weil wir unseren Politikern sagen wollen, dass mit Generalverboten kein Jugendmedienschutz gemacht werden kann», sagt Pro Juventute-Direktor Stephan Oetiker. «Der Gedanke an eine einfache Lösung durch Verbote ist zwar verführerisch, doch das Problem ist komplexer.» Die Stiftung hatte im Vorfeld zur Abstimmung mit einem Positionspapier an die Ständeräte zu einer differenzierten Diskussion aufgerufen. Als unabhängige Organisation, die sich für die Bedürfnisse und Rechte von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz einsetzt, stellte die Stiftung dabei folgende Forderungen auf:
Regeln statt Verbote: National einheitliche Regeln zum Handel und Verkauf von Computergames und unabhängige, Nutzer-orientierte Informationsangebote für die Konsument/innen. Politik und Gesetzgeber sind in einem einzigen Punkt gefordert: Auf der Basis der bestehenden Rechtsordnung zum Verbot extremer Gewaltdarstellungen ist zu klären, wie eine national einheitliche Handels- und Zulassungskontrolle für elektronische Medieninhalte umgesetzt werden kann. Dies darf jedoch nicht nur Games und nicht nur computerbasierte Medienangebote betreffen, sondern auch Online-Angebote, TV, DVDs oder Kino.
Kinder und Jugendliche stärken: Vermittlung und Stärkung der Medienkompetenz und der eigenen Widerstandsfähigkeit in Schule, Jugendarbeit und Familie. Es gibt keinen anderen Lösungsweg als jenen, Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung ihrer individuellen Medienkompetenz zu unterstützen. Staatliche oder auch elterliche Verbote können keinen «Schutz» garantieren. Die dafür notwendige Medienkompetenz muss heute früh genug und vor allem nachhaltig vermittelt werden – bei Kindern, Eltern und Lehrkräften.
Differenzieren statt polemisieren: Die Probleme der Jugendgewalt und des Zugangs Jugendlicher zu Pornographie werden mit «Killergame-Verboten» nicht ansatzweise gelöst. Tatsache ist: die Wissenschaft kann bis heute keine klaren Zusammenhänge zwischen der Computergame-Nutzung und jugendlicher Gewalttätigkeit feststellen. Vieles kann die Wissenschaft aber über die verschiedenen und komplexen Zusammenhänge zwischen diversen Einzelfaktoren (Gewalterfahrung in der eigenen Erziehung, Vereinsamung, Mobbing u.a.) und Jugendgewalt oder jugendlichem Suchtverhalten feststellen. Differenzierung tut also Not.
An der heutigen Kundgebung forderten die Teilnehmer mit einem riesigen Computer-Game aus menschlichen Robotern von den Parlamentariern die Umsetzung dieser Massnahmen. Die Aktivisten hatten sich per SMS, über einen Facebook-Aufruf und über die Plattform www.informieren-statt-verbieten.ning.com für die spontane Aktion organisiert. Nach dem Flashmob versammelten sie sich vor dem Bundeshaus und zeigten auf T-Shirts den Slogan «Informieren statt Verbieten». Bildmaterial zur Aktion von heute ist ebenfalls auf der Plattform www.informieren-statt-verbieten.ning.com zu finden sowie auf www.projuventute.ch. Ein Clip auf Youtube zeigt die Aktion auf Film.
«Unser Engagement darf nicht als Aufruf zur Benutzung von Killergames missverstanden werden. Spiele, bei denen es darum geht, Menschen zu töten, erachten wir als ethisch nicht vertretbar», sagt Oetiker. «Das gilt auch für entsprechende Inhalte im TV oder in Kinos. Aber hier geht es nicht um eine ethische Frage sondern darum, wie ein erfolgreicher Kindermedienschutz organisiert werden kann - und da sind Generalverbote komplett kontraproduktiv.»
Pro Juventute setzt sich seit längerem mit Angeboten zur Förderung der Medienkompetenz wie «Pro Juventute Handyprofis» an Schulen und Elternveranstaltungen sowie durch politische Arbeit für den konstruktiven, partizipativen Umgang von Kindern und Jugendlichen mit neuen Medien ein.
Für weitere Informationen:
Pro Juventute, Stephan Oetiker, Direktor, Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich
Tel. 044 256 77 77 / www.projuventute.ch
Pro Juventute, Marianne Affolter, Leiterin Kommunikation a.i., Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich
Tel. 044 256 77 74, Mobile 079 659 67 33E-Mail: marianne.affolter(at)projuventute.ch
Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche in der Schweiz
Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Dienstleistungen wie die Pro Juventute Beratung 147 oder die Pro Juventute Elternbriefe an. Davon profitieren jährlich nicht weniger als 300 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz.



