Wirksamer Jugendmedienschutz gefordert

Appell von Pro Juventute an Verwaltung nach «Killergame»-Verbot:
Wirksamer Jugendmedienschutz durch gesetzliche Rahmenbedingungen, Information und Integration von Medienkompetenz in die Lehrpläne.

Zürich, 19.3.2010 – Die meisten Computerspiele werden online gespielt. Dort gelten weder Verbote noch Altersgrenzen. Ein Verbot für sogenannte «Killerspiele», wie es die vom Ständerat an den Bundesrat überwiesenen Motionen fordern, ist daher sinnlos. Stattdessen muss Prävention betrieben werden: Die Stiftung Pro Juventute fordert eine nationale Zertifizierungsstelle, wo sich Kinder und Eltern über Medieninhalte informieren können, sowie die Integration des Themas Medienkompetenz in die Lehrpläne.

In seiner Beratung vom 18. März hat der Ständerat zwei Motionen an den Bundesrat für ein Verbot von sogenannten «Killerspielen» überwiesen. Die Stiftung Pro Juventute, die sich im Vorfeld für mehr Jugendmedienschutz und Prävention statt nicht umsetzbarer Verbote eingesetzt hat, fordert nun konkrete gesetzliche Rahmenbedingungen für Medieninhalte sowie lösungsorientierte Angebote für einen wirksamen Medienschutz.

«Es ist irreführend, nun zu glauben, mit dem Verbot erreiche man den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor gefährlichen Medieninhalten», sagt Pro Juventute-Direktor Stephan Oetiker. «Wir sehen in unserer täglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen: Verbote in der virtuellen Welt kann man nicht umzusetzen». Darauf hatten bei der Abstimmung im Ständerat auch zahlreiche Fachleute, Medienfachstellen sowie die Eidgenösssische Kommission für Kinder- und Jugendfragen hingewiesen. Auch viele Politiker vertraten diese Haltung, wie die differenzierte Diskussion im Ständerat und das Votum von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf zeigte.

Integration des Themas „Medienkompetenz“ in Lehrpläne vonnöten

Für Pro Juventute ist deshalb zentral, dass weitergehende Regelungen im Jugendmedienschutz ihren Eingang in die Überlegungen des Bundes finden. Konkret bedeutet dies die Forderung nach einer nationalen, einheitlichen Zertifizierungsstelle zur Information von Eltern und Kindern, Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen durch die Integration des Themas «Medienkompetenz» in die Lehrpläne, Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen und Eltern an Elternabenden, Finanzierung von komplementären Lehrangeboten zum Thema Medienkompetenz sowie nach einem Impulsprogramm zur Schaffung einer Forschungsaktivität in den Themenbereichen Medienpädagogik. Die Stiftung wird sich ihrerseits mit eigenen Projekten und in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Verwaltungsstellen für lösungsorientierte Angebote im Bereich der Medienkompetenzförderung einsetzen.

Mit einer Kurz-Kundgebung in Form eines Flashmobs zum Thema «Für einen wirksamen Jugendmedienschutz und gegen generelle Game-Verbote» bot Pro Juventute während der Diskussion im Ständerat Kindern und Jugendlichen gestern eine Plattform, um der Öffentlichkeit und Politikern zu zeigen, wie sie die neuen Medien konstruktiv für ihre Bedürfnisse nutzen. Insgesamt 150 jugendliche Teilnehmende haben mit dem «Robot-Dance» klar gemacht, dass sie auch mit regelmässigem Game-Konsum nicht zu fremdgesteuerten, gewalttätigen Robotern werden. Organisiert hatten sie sich über Facebook, Web-Plattformen und SMS.

Für weitere Informationen:
Pro Juventute, Stephan Oetiker, Direktor, Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich Tel. 044 256 77 77 / www.projuventute.ch

Pro Juventute, Marianne Affolter, Leiterin Kommunikation a.i., Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich Tel. 044 256 77 74, E-Mail: marianne.affolter(at)projuventute.ch

 

Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Dienstleistungen wie die Pro Juventute Beratung 147 oder die Pro Juventute Elternbriefe an. Davon profitieren jährlich nicht weniger als 300 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz.