23.04.2010: Jugendverbote: Profitgier und Profilierung unter dem Deckmantel «Jugendschutz»

Zürich, 23.4.2010 – Auf Kosten der Schweizer Jugendlichen werden unter dem Deckmantel «Jugendschutz» heute Handy, Computergames und das Internet generell verteufelt und für sämtliche negativen Entwicklungen auf Seele und Gesundheit im Leben von Kindern und Jugendlichen verantwortlich gemacht. Nun sollen mit Jugendverboten auch noch persönliche Geschäfte angekurbelt werden, wie aktuelle Medienberichte zeigen. Die Stiftung Pro Juventute fordert ein Ende dieser Hexenjagd und ein Abschied vom pädagogischen Schonraum und dem Mythos «Jugendschutz» auf Kosten der Jugendlichen.

Unter dem Deckmantel eines sogenannten Jugendschutzes wird zurzeit auf Kosten der Jugendlichen Profilierung und Positionierung betrieben – und nun soll mit Verboten für Jugendliche auch noch Profit gemacht werden: Wie aktuell bekannt wurde, versucht ein national bekannter Pornoproduzent, sein Süppchen auf Kosten der Schweizer Jugendlichen zu kochen: Unter dem Deckmantel des Jugendschutzes im Internet wird nun durch ein Zugangsverbot für Jugendliche versucht, das eigene Geschäftsmodell zu retten und das eigene Image aufzupolieren. Pro Juventute verurteilt diese Profitgier und Profilierung im Bereich der Jugendmedienpolitik und wird die angekündigte Initiative bekämpfen.

Pro Juventute verurteilt die Tatsache, dass allzu viele Behörden und Politiker/innen auf die Idee verfallen, untaugliche Verbote oder andere drakonischen Kontrollmechanismen zu verlangen. Werden Computergames und problematische Inhalte im Internet wie Pornographie als Begründung für eine Vielfalt von problematischen Entwicklungen bei Jugendlichen wie Rückenproblemen, Gewaltexzesse oder Suchtverhalten herangezogen, entzieht sich die Gesellschaft ihrer Verantwortung: der Förderung und Unterstützung von Jugendlichen. Die Freiheit und Selbständigkeit der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz einzuschränken ist für Pro Juventute keine Lösung.

Medienrealitäten akzeptieren – Medienkompetenzen fördern

Die Nutzung moderner Medien ist heute in Schule, Beruf und Freizeit eine Realität. Kinder und Jugendliche haben müssen in ihren Fähigkeiten, mit diesen Medien umzugehen, gestärkt werden. Mit anerkannten Fachpersonen wie Professor Dr. Allan Guggenbühl ist Pro Juventute der Meinung, dass man sich vom pädagogischen Schonraum verabschieden muss, der Kinder und Jugendliche von allem «Bösen» oder «Schlechten» abschirmen soll. So hält Entwicklungspsychologe Guggenbühl in einem aktuellen Vortrag zum Thema «Jugend und Medienkultur» fest, dass die «soziale Abgeschiedenheit vor dem Computer» den Weg zu Themen bahne, die sich «ausserhalb des familiären Moralkodexes und des pädagogischen Wertekanons befinden» und plädierte dafür, Jugendlichen «den Umgang mit dem Bösen» zu lernen. Pro Juventute fordert von Eltern, Schule und Politik, auf die Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen setzen und sie in ihrer Medienkompetenz zu fördern.

Stärkung von Kindern und Jugendlichen – konkret und nicht nur im Internet

Pro Juventute setzt sich politisch und mit konkreten Projekten dafür ein, dass Kinder und Jugendliche auch neben der Internetnutzung ernst genommen und in ihrer Entwicklung unterstützt werden: mit verschiedensten Angeboten der Pro Juventute Ferienpässe, diversen Schulangeboten wie Potz Tuusig und Handyprofis, aber auch in der Arbeit mit Eltern und Lehrpersonen. Und durch die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 per Telefon, SMS und im Web wissen wir, dass die Ursachen sogenannter «Jugendprobleme» (Gewalt, Medienmissbrauch etc.) vielfältig sind und nicht mit Verboten oder Internet-Sperren gelöst werden können. Stattdessen braucht es Förderung zur Selbstverantwortung und adäquate Begleitung von Jugendlichen bei Problemen und Fragen.


Für weitere Informationen:

Pro Juventute, Stephan Oetiker, Direktor, Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich, Tel. 044 256 77 77

Pro Juventute, Matthias Vatter, Leiter Public Affairs, Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich, Tel. 079 352 81 44, E-Mail: matthias.vatter@projuventute.ch

 

Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Dienstleistungen wie die Pro Juventute Beratung 147 oder die Pro Juventute Elternbriefe an. Davon profitieren jährlich nicht weniger als 300 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz.