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Virtuelle Gewalt für Kinder problemlos zugänglich
Kinder und Jugendliche haben praktisch unbeschränkten und unkontrollierten Zugang zu Gewaltdarstellungen in Unterhaltungsmedien. Dies zeigen Testkäufe, die Pro Juventute bei verschiedenen Verkaufsstellen durchgeführt hat. In mehr als der Hälfte der Fälle konnten Kinder problemlos Internet- und Videospiele kaufen, die für ihr Alter nicht freigegeben sind. Solche Lücken im Kinder- und Jugendmedienschutz zu schliessen fordert Pro Juventute mit ihrer Petition «Stopp der (un)heimlichen Gewalt». Ein entsprechender Vorstoss im Nationalrat wird vom Bundesrat unterstützt.

Dass der Kinder- und Jugendmedienschutz in der Schweiz grosse Lücken aufweist, zeigen Testkäufe, die Pro Juventute bei sechs grossen Verkaufsstellen von Unterhaltungsmedien in der Stadt St. Gallen durchführte. Kindern im Alter von sieben bis zwölf Jahren gelang es bei 20 Einkäufen in 11 Fällen problemlos, PC- und Konsolenspiele sowie DVD-Filme mit Gewaltdarstellungen zu kaufen, die für ihr Alter ungeeignet sind. Problematisch ist insbesondere der unbeschränkte Zugang zu DVDs, die im besten Falle mit einer für Deutschland geltenden Altersfreigabe gekennzeichnet sind sowie zu Video- und Computerspielen, die als kostenlose Beilage in Zeitschriften angeboten werden.
Die Alterskennzeichnung für Computer- und Videospiele orientiert sich in der Schweiz in der Regel am Pegi-Rating-System. Diese Kennzeichnung wurde von Herstellern entwickelt und ist eine Selbstverpflichtung ohne staatliche Kontrollinstanzen. Das wissen auch die Hersteller und Händler, denn von Gesetzes wegen sind sie zu keiner Deklaration verpflichtet. Aus diesem Grund fordert Pro Juventute einen einheitlichen Kinder- und Jugendmedienschutz mit verbindlichen Altersfreigaben für Computer-spiele, Videos und auch Kinofilme. Dabei schlägt Pro Juventute eine Kooperationsstrategie von Staat und Branchenverbänden vor, die als «regulierte Selbstregulierung» in anderen Ländern bereits umgesetzt wird.
Bereits heute besteht die Möglichkeit zu reagieren, wenn man mit angegebenen Altersfreigaben auf Unterhaltungsmedien nicht einverstanden ist. Pro Juventute informiert auf ihrer Internetseite über die verschiedenen Möglichkeiten: Bei Computer- und Videospielen kann direkt ein Beschwerdeformular ausfüllt werden. Pro Juventute sammelt alle Beschwerden und reicht dieses dann offiziell beim entsprechenden Ausschuss ein. Für andere Unterhaltungsmedien wie Internet, Radio- und Fernsehsendungen sind die jeweiligen direkten Beschwerdemöglichkeiten publiziert.
In den ersten zwei Monaten seit der Lancierung der Petition «Stopp der (un)heimlichen Gewalt» hat Pro Juventute bereits über 20'000 Unterschriften gesammelt. Diese überaus grosse Resonanz bestätigt die Stiftung in ihrem Vorgehen gegen Gewalt in Unterhaltungsmedien. Zusätzlich unterstützt wird die Petiton durch das von Nationalrätin Chantal Galladé eingereichte Postulat zum gleichen Thema. Der Bundesrat hat das Postulat bereits beantwortet und empfiehlt es zur Annahme. Pro Juventute hofft, dass sich das Parlament der Empfehlung anschliesst. Pro Juventute sammelt weiterhin Unterschriften für die Petition mit dem Ziel, einen schweizweit einheitlichen und verbindlichen Kinder- und Jugendmedienschutz zu schaffen. Unterstützt wird die Pro Juventute-Petition «Stopp der (un)heimlichen Gewalt» von der Zeitschrift «wir eltern» als Medienpartner.
