Selbstbefähigung statt Verbote: Integration neuer Technologien ins Klassenzimmer gefordert

Kinder sollen mit Risiken umgehen lernen – und das konstruktive Potenzial neuer Medien kennenlernen

Zürich, 25.1.2010 – Cybermobbing, Pornos, Happy Slapping, Gewaltfilme, «Killergames» - die Liste der Missbräuche, die den Handys von Kindern und Jugendlichen zugeordnet werden, ist lang. Kantone und Städte in der Schweiz wollen den neuen Medien daher mit neuen Reglementierungen begegnen. So hat die Stadt Zürich beschlossen, ab diesem Sommer sämtliche elektronischen Geräte wie Handys, ipods oder MP3- Player zu verbieten. Pro Juventute lehnt solche generellen Verbote ab: Um Kinder und Jugendliche den selbstbestimmten und verantwortungsbewussten Umgang mit Medien zu lehren, sind Verbote der falsche Weg. Statt Kinder und Jugendliche beim Umgang mit neuen Medien alleine zu lassen, ist die Gesellschaft in der Pflicht, Medienkompetenz zu vermitteln und zu stärken.

Kinder und Jugendliche sind heute in ihrem gesamten Alltag mit elektronischen Medien konfrontiert. Deshalb ist es zentral, dass sie in ihren Fähigkeiten, mit neuen Medien umzugehen, gefördert werden. Die Kinder- und Jugendorganisation Pro Juventute fordert daher, die Bestrebungen, Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz zu vermitteln, zu verstärken. Der Präsenz von elektronischen Medien bei Kindern und Jugendlichen mit generellen Verboten zu begegnen, lehnt Pro Juventute dagegen ab. Solche Verbote stehen dem Ziel der Stiftung, Kindern zu ermöglichen, zu urteilsfähigen Menschen heranzuwachsen und sie in ihrer Selbstbestimmung zu fördern, entgegen. Stattdessen hat die Gesellschaft gerade auch im Bereich der neuen Medien die Pflicht, Kinder und Jugendliche in ihren Kompetenzen und ihrer Selbstbestimmung zu stärken und sie den verantwortungsbewussten Umgang zu lehren.

Möglichkeiten neuer Technologien im Klassenzimmer nutzen

Kinder und Jugendliche kommunizieren heute zu einem grossen Teil über elektronische Medien. Der Grund des Zürcher Schul- und Sportdepartements für ein Verbot, der Umgang mit elektronischen Geräten sei für die Kommunikation der Kinder nicht förderlich, entspricht daher nicht den realen Lebenswelten der Kinder. Ebenso kann die Umsetzung eines generellen Verbots elektronischer Geräte für die Lehrerinnen und Lehrer zu einem hohen Kontrolldruck führen, was es zu vermeiden gilt. Stattdessen fordert die Stiftung, die Möglichkeiten neuer Technologien in Unterricht und Klassenzimmer endlich auch auf ihren Nutzen hin zu prüfen.

Selbst komponierte Rap-Songs auf dem Handy

Bei der Vermittlung von Medienkompetenz können Schulen von Fachpersonen unterstützt werden. Dies setzt die Stiftung bereits seit 2009 mit dem Projekt Pro Juventute-«Handyprofis» um. Mit Workshops an Schulen lernen 10- bis 18jährige den konstruktiven Umgang mit ihrem Mobiltelefon. Sie erfahren, wie sie mit problematischen Inhalten umgehen oder wie sie als Opfer von Cybermobbing, Stalking oder Happy Slapping reagieren sollen - und lernen gleichzeitig, wie sie ihr Handy konstruktiv nutzen können, etwa zum Erstellen von selbstkomponierten Songs. Für das Projekt wurde Pro Juventute vom Bund ausgezeichnet. Bereits bei der Preisverleihung im November hielt Roland Wittwer, Produkteentwickler «Medien und Konsum» bei Pro Juventute, fest: «Medienkompetenz wird eines der ganz wichtigen Zukunftsthemen für unsere Gesellschaft sein. Unser Angebot ist umso wichtiger, weil es in der Schweiz bisher einzigartig ist.»

Für weitere Informationen:
Pro Juventute, Marianne Affolter, Leiterin Kommunikation a.i., Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich Tel. 0 44 256 77 74, E-Mail: marianne.affolter(at)projuventute.ch

Pro Juventute, Matthias Vatter, Leiter Public Affairs, Thurgauerstrasse 39, 8050 Zürich Tel. 079 352 81 44, E-Mail: matthias.vatter(at)projuventute.ch

 

Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Dienstleistungen wie die Pro Juventute Beratung 147 oder die Pro Juventute Elternbriefe an. Davon profitieren jährlich nicht weniger als 300 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz.