Umfassende Neuausrichtung von Pro Juventute - die Stiftung kämpft ums Überleben

Einschneidende Massnahmen zur Sicherung des Fortbestandes der Stiftung

Zürich, 18. April 2009 ─ Die Stiftung Pro Juventute, die unter anderem für die Kindernotrufnummer 147, den Ferienpass, die Elternbriefe oder ihre Sonderbriefmarke bekannt ist, ergreift einschneidende Massnahmen, um ihren Fortbestand zu sichern und finanziell zu gesunden. Geplant sind eine Straffung und Verselbstständigung der Bezirksorganisationen, Kosteneinsparungen in der nationalen Trägerschaft sowie umfassende Massnahmen im Bereich der Mittelbeschaffung, die heute fast ausschliesslich vom Briefmarkenverkauf abhängt. Dies gaben die Pro Juventute-Verantwortlichen am Samstag an einer Medienkonferenz bekannt.

Seit Jahren kämpft die Stiftung Pro Juventute, schweizweit bekannte Organisation im Bereich von Kinder- und Jugendthemen, mit einem Defizit von jährlich rund 5 Mio. Franken. Sinkende Spendengelder, ein ungenügend vermarktetes und kaum bekanntes Dienstleistungsangebot, komplizierte rechtliche Strukturen und ein unausgeschöpftes Mittelbeschaffungspotential sind die Hauptgründe für die defizitäre Lage der bald hundertjährigen Kinder- und Jugendorganisation. Häufiger Führungswechsel und unzählige Neuausrichtungen haben in den vergangenen Jahren zusätzliche Ressourcen gebunden. Jährlich sind Angebote für über 200'000 Kinder und Jugendliche in Gefahr. Alleine über die Kindernotrufnummer 147 ist Pro Juventute täglich für mehr als 700 Kinder und Jugendliche in Not wichtige kostenlose Anlaufstelle.

Einschneidende Massnahmen notwendig
Um den Fortbestand von Pro Juventute zu sichern und diese in eine zeitgemässe Kinder- und Jugendorganisation mit Netzwerkcharakter umzugestalten, wurden folgende strategischen Neuerungen durch den Stiftungsrat beschlossen:
(1) Vereinfachung und Straffung der Organisationsstrukturen, (2) Intensivierung und Ausweitung der Mittelbeschaffung, sowie (3) Konzentration der Stiftungstätigkeit auf die drei Kernthemen «Bildung & Beruf», «Medien & Konsum» sowie «Freizeit & Gesundheit».

Rechtliche Selbständigkeit für die heutigen Bezirke
Konkret werden die heutigen 187 Bezirke dazu aufgefordert, sich bis zum 31. Oktober 2009 in 30-50 regionale, unternehmerisch und rechtlich autonome Vereine zu organisieren, welche nationale Pro Juventute-Angebote regional umsetzen sowie weiterhin eigene Aktivitäten entfalten.
Durch die rechtliche Trennung von nationaler Stiftung und regionalen Trägerschaften können die komplizierte Rechtsstruktur entflechtet (heute besteht Pro Juventute aus dem Hauptsitz und 187 Bezirken) und komplexe Koordinations- und Betreuungsschnittstellen vereinfacht werden.
Eine weitere Neuerung ist die Plattform mit dem Namen «pjazza» (pj steht für Pro Juventute). Auf dieser zentralen Kinder- und Jugendplattform werden weitere von Pro Juventute unabhängige Kinder- und Jugendorganisationen ihre Angebote als so genannte «Pro Juventute pjazza partner» anbieten können. Dies erleichtert Kindern und Jugendlichen in Zukunft den Zugang zu den für sie konzipierten Angeboten.

Schlankere Strukturen am Hauptsitz
Um die Kosten weiter zu reduzieren, werden auch strukturelle Anpassungen am Hauptsitz nötig: Durch die neu definierten Betreuungsstrukturen und die Konzentration der Angebote auf die drei Themenwelten können zwei Geschäftsbereiche zusammengelegt werden. Als Folge davon wird der Personalbestand von heute 70 Vollzeitstellen per Dezember 2011 auf rund 50 Vollzeitstellen reduziert werden. Durch diese strukturellen Anpassungen sollen jährliche Betriebskosten in der Höhe von rund 2 Mio. Franken eingespart werden. Erste Mitarbeitende haben im April bereits die Kündigung erhalten.

Intensivierung der Mittelbeschaffung
Parallel zu diesen Sparmassnahmen beabsichtigen Stiftungsrat und Geschäftsleitung vor allem aber auch eine Ausweitung und starke Professionalisierung der Mittelbeschaffung. Insbesondere bei Kooperationen mit der Privatwirtschaft bestehen heute noch grosse, nicht ausgeschöpfte Potentiale – trotz Finanzkrise. Corporate Social Responsibility ist ein Thema, welches gerade in der aktuellen Zeit stark an Bedeutung gewinnt und Pro Juventute ist mit ihrer hohen Bekanntheit und dem nationalen Dienstleistungsangebot ein interessanter Zusammenarbeitspartner. Zurzeit laufen vertiefte Gespräche mit mehreren namhaften Unternehmungen. Erste Resultate werden noch dieses Jahr erwartet.
Weitere Potentiale bestehen auch beim traditionellen Fundraising und beim Briefmarkenverkauf. Die Pro Juventute-Briefmarke wird heute fast ausschliesslich von Privatpersonen gekauft und verwendet. Darum werden auch hier Kooperationen mit Unternehmungen gesucht, welche beispielsweise ihre Weihnachtspost mit der Pro Juventute- Briefmarke verschönern und einen Beitrag an die Kinder- und Jugendtätigkeit in der Schweiz leisten wollen.
Die Konzentration auf die drei Themenwelten «Bildung & Beruf», «Medien & Konsum» und «Freizeit & Gesundheit» soll dazu führen, dass die Bevölkerung mittelfristig nicht nur die Marke Pro Juventute sondern auch die Angebote und Inhalte der Stiftung besser kennt. Ein höherer Bekanntheitsgrad des Angebotes führt zu höherer Verbundenheit und Identifikation mit der Stiftung und somit auch zu besseren Chancen am Spendenmarkt.

Pro Juventute Jahresbericht 2007_2008.pdf
Pro Juventute Jahresrechnung 2007_2008.pdf

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Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Dienstleistungen wie die Pro Juventute Beratung 147 oder die Pro Juventute Elternbriefe an. Davon profitieren jährlich nicht weniger als 300 000 Kinder und Jugendliche in der Schweiz.